Wednesday, June 6. 2007(Kriegs-)Spiel und Wahrheit
Wenn mich Leute fragen, welche Computergames ich zocke, bekommen deren Gesichter bei meiner Antwort eine Mischung aus Unglaube und Entsetzen: "Ich spiele keine Spiele."
Ich kann nur von wenigen Spielen behaupten, sie wirklich gespielt zu haben - also von Anfang bis Ende. Das sind Manic Manson, Zack McKracken, Anno 1602 und Jagged Alliance 2. Und alles ist schon Jahre her. Durch eine Antwort auf meinen Rechtschreibungstext bin ich auf die Homepage, oder besser gesagt das Blog auf zockertown.de gestoßen. Dort wiederum war ein Artikel über Jagged Alliance 2 (auf Linux). Ich versuche schon seit einiger Zeit das Spiel auf meinem Linux-Rechner (mit wine oder anderen Tricks) zum Laufen zu bekommen. Allerdings treibt mich nicht mehr die Lust mit einer MP5K durch Arulco zu robben und die böse Diktatorin eine Etage tiefer zu befördern, sondern eher der Frust auf die Software(-Spiele-)Industrie, noch immer Spiele nur für ein bestimmtes Betriebssystem herzustellen. (Da ich aber mit einem Computer lieber "was vernünftiges" mache hält sich meine Frust eher in Grenzen. Außerdem gibt es ja angeblich inzwischen sehr gute freie Spiele.)
Durch diesen oben erwähnten Artikel habe ich mir mal wieder über Kriegsspiele Gedanken gemacht. Ich war noch nie ein so großer Fan derselbigen, aber vor einiger Zeit hat sich meine Meinung nochmals um einiges verändert. Dabei rede ich nicht davon, diese radikal zu verbieten, sondern ob und welche ich überhaupt spielen muss. Wenn ich mir in den Zügen die Bundeswehrsoldaten beobachte stelle ich mir sehr oft die Frage, was mit den jungen Leuten in den Kasernen gemacht wird. Kaum ein Laptop der Rekruten ist ohne Kriegsspiel ausgerüstet. Ich erinnere mich an eine Szene vor einigen Wochen. Ein Soldat musste mit seinem Taschenmesser in seine Uniform herrumstochern, um sein Obergefreiten-Abzeichen anzubringen. Sein Gesicht war ausdruckslos. Keine einzige Bewegung im Gesicht. Der Klischee-Elitesoldat schlechthin. Das machte ihn als Beobachtungsobjekt natürlich sehr interessant. Irgendwann nahm er seinen Laptop, startete ein Kriegsspiel und los ging es. Befehle wurden geschrien, es explodierte, Kriegsmaschinen barsten und ratterten, virtuelle Geschosse flogen durch den Zug. Irgendwann wurde es einem Mann zu viel und fragte, ob man den Ton nicht abstellen könne. Der Soldat machte ihn nur leiser. Meine Zugnachbarin stellte sinngemäß fest: "Was aus den jungen Leuten heute gemacht wird. Das ist ja schrecklich. So jung und schon so auf Krieg getrimmt." Der Soldat verzog keinen Muskel. Ich weiß nicht ob er es nicht hören wollte oder ob er so auf das Zerstören von Kriegsmaterial konzentriert war. Ich ließ es drauf ankommen und antwortete: "Hoffentlich reagiert er genauso gelassen, wenn ihm echte Geschosse um die Ohren fliegen. Nicht das seine Hosen als erstes voll sind." Keine Regung. Solche Situationen und die tägliche Berichterstattung wo wer warum Krieg führt haben mich zu dem Entschluss kommen lassen, nicht unbedingt jedes Kriegsspiel spielen zu müssen, was noch realer virtuelle Gegner ins Jenseits befördert. Aber vielleicht wäre dies eine Alternative an alle kriegführende Staaten? Im Mittelalter haben die Könige Schach gespielt, heute die Staatschefs Counter Strike? Trackbacks
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