Tuesday, October 23. 2007Langlauf mit der DVB
Als ich meine neue Arbeit in Dresden anfing, empfahlen mir meine Chefs den Öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. An der Firma gibt es reichlich fehlende Parkplätze. Mit diesem Rat rannten sie bei mir offene Türen ein. Ich fahre gerne mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und heimse sehr oft verständnislose Blicke ein, wenn ich dies offen zugebe. Da bekomme ich Sätze wie „In den Bahnen stinkt es“ oder „Die kommen immer zu spät“ zu hören. Na und? Jeder Mensch hat seinen Geruch. Spätestens seit der Verfilmung von „Das Parfüm“ ist das Weltweit bekannt. Und Zeit ist erstens vom Menschen gemacht und zweitens relativ. Und drittens kann ich auch mit einem Auto zu spät kommen. Heute bin ich über mein Organisationstalent erschüttert.
Ich stand an der Haltestelle am Postplatz und überlegte, ob ich in die Straßenbahn oder den Bus einsteigen sollte. Die Straßenbahn stand bereits da, der Bus brauchte noch eine Minute. Ein kurzer Vergleich der Fahrzeiten sagte mir: Mit dem Bus bin ich schneller am Wasaplatz und kann dort umsteigen als wenn ich die Straßenbahn nähme. Wer meinen Blog öfters ließt kennt unterdessen den Postplatz. Am Postplatz befinden sich zwei jeweils fast 100 Meter lange Haltestellen. Nun war (mal wieder) folgende Situation: Die erste Straßenbahn war weggefahren. Eine zweite stand dahinter und wurde mit einem neuen Fahrer bestückt. Dahinter kam nun der Bus. Was würde nun geschehen:
a) Die Straßenbahn fährt weg und der Bus bis weit vorne an den Anfang der Haltestelle und hält (Laufweg etwa 25 Meter) b) Die Straßenbahn wartet auf den Bus, alle zukünftigen Bus-Passagiere rennen nach hinten, der Bus fährt los und wartet vorne nochmals, obwohl keiner mehr dasteht (Laufweg etwa 75 Meter) c) Die Straßenbahn wartet auf den Bus, alle zukünftigen Bus-Passagiere warten vorne in der Hoffnung, der Bus wartet ebenfalls vorne nochmals, doch er fährt durch (Laufweg etwa 300 Meter, weil ich als Dank für diesen Service die Haltestelle hoch und runter getrampelt wäre, um Wut abzulassen) Es war Variante d: Alle zukünftigen Bus-Passagiere rannten nach hinten, die Straßenbahn fuhr los, der Bus fuhr nach vorne zum Anfang der Haltestelle und alle zukünfitgen Bus-Passagiere wieder nach vorn. Laufweg etwa 125 Meter (50 Meter zurück, 75 wieder vor). Ergo: Wer regelmäßig Bus und Bahn fährt sollte keine Probleme mit seiner Figur haben. Ich saß nun also im Bus, gemeinsam mit etwa 10 murrenden Leuten, die am liebsten den Postplatzplaner ~zensiert~. Ich musste nun noch umsteigen. Dies passierte am Leneplatz. Der Bus fährt über die Kreuzung, ich sehe die wartende Bahn. Ich schaue vorne aus dem Fahrerfenster und sehen den Bus des Schienenersatzverkehr, in den ich umsteigen muss. Bustür auf, vorgelaufen, Bustür auf, eingestiegen, hingesetzt. Wäre ich mit der Straßenbahn gefahren, hätte ich den Bus nicht erreicht, da kein Platz für zwei Busse und eine Straßenbahn an dieser Haltestelle ist. Der SEV musste also wegfahren, damit die Leute aus der Straßenbahn aussteigen konnten. Manchmal fragt man sich wirklich, wie man so viel Schwein haben kann. Das relativiert doch den Langlauf am Postplatz. Und solche Geschichten kann man im Auto nicht erleben. Trackbacks
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