Thursday, December 6. 2007Früh, Kinder, DVB
Kinder haben ein Problem: Es gibt Massenmedien. Und diese sagen, dass die Kinder in Deutschland übergewichtig sind. Ein weiteres Problem haben Kinder, wenn diese mit ihren Lehrern einen Ausflug machen und dabei die DVB nutzen müssen. Das wiederum kann sich zu einem schweren Problem für mich entwickeln, wenn die Massenmedien recht behalten. Um dieses Rätsel zu lösen, fangen wir am besten von vorne an.
Ich bin ja bekanntlich ein aggressiver Bahnfahrer. Wenn ich die Wahl zwischen einem Auto und dem ÖPNV hätte, würde ich den ÖPNV bevorzugen. Dementsprechend fahre ich jeden Morgen mit der Straßenbahn auf Arbeit. Es kommt gelegentlich vor, dass ich die vorherige Bahn noch von hinten sehe. Heute hat es mich nicht gestört, da die vorherige Bahn scheinbar Verspätung hatte. Ich warte also auf die Straba die ich sonst immer nehme und steige ein. Ich habe wie jeden Morgen Glück und erwische eine alte Tatra. Diese Bahnen waren vor 30 Jahren High-Tech. Heute verwünscht sie fast jeder Fahrgast. Immerhin haben sie keinen Niederflurantrieb. Somit muss man beim Einsteigen einige Stufen erklimmen. Gut, gelegentlich nehme ich auch das gelbe Klingellicht beim aussteigen mit, aber das nur nebenbei.
Die Fahrt geht bis zum Gleisdreieck an der Hugo-Bürkner-Straße gut. Als die Straßenbahn nach rechts abkurvte, kam von links eine andere Straßenbahn und bog ebenfalls nach rechts ab; kam mir also entgegen. Für alle Nicht-Dresdner sei gesagt: Wenn an dieser Stelle eine Straßenbahn von links kommt, hat diese eine Wendung hinter sich. Denn das Gleisdreieck ist zum Wenden von Straßenbahnen gedacht. Besonders bei Baustellen. Diese ist allerdings seit einigen Wochen abgeschlossen. Wehrend ich mich also noch wunderte, warum von der falschen Seite die Straßenbahn, die vor mir nicht weggefahren war, entgegen kam, fuhr meine Straßenbahn in die Haltestelle ein. Die Türen wurden geöffnet. Abermals wunderte ich mich über die Menschenmassen, die an der Haltestelle warteten. Mir schwante schlimmes. Und da kam auch die Durchsage: „Aufgrund einer Verkehrsstörung verkehrt diese Bahn nur bis Hugo-Bürkner-Straße. Zur Weiterfahrt in die Stadt nutzen Sie bitte die Linie 75.“ Das sind genau diese Durchsagen, die ich mag: Wir stehen an der Hugo-Bürkner-Straße. Und was ist denn nun passiert? Außerdem können wir die 75 nehmen, aber diese fährt in eine ganz andere Richtung als ich möchte. Noch wehrend mir dies durch den Kopf ging, hatten einige neue Fahrgäste die Bahn erklommen. Nun durften sie wieder aussteigen. Entsprechend war das Gemurre. Aber was solls? Wenigstens waren wartende Fahrgäste besser informiert und sagten, das ein LKW die Fahrleitung heruntergerissen hatte. Das ist Information! Verkehrsstörung. Wenn eine Schneeflocke vom Himmel fällt ist das auch schon eine Verkehrsstörung. Übrigens entwickelte sich nun die Straßenbahn zu einer Verkehrsstörung, weil sie nun das Wendedreieck rückwärts befuhr um wieder nach Prohlis zu fahren. Der Bus kam auch schon nach wenigen Sekunden. Wie ich befürchtet hatte, fuhr dieser nicht dorthin, wo ich hin wollte. Außerdem war er reichlich überfüllt. Schon beim Einsteigen hätte ich mir einen Schneeschieber gewünscht. Kann mir mal bitte jemand erklären, warum Leute in den Bus drängen und anschließend die Schlafkrankheit bekommen? Genau vor der Tür, wenn mindestens noch zwanzig weitere Leute einsteigen wollen? Oder noch besser sind die Leute, die scheinbar noch nie einen Bus von innen gesehen haben. Da wird nach links und rechts geschaut. Ja, alle Sitzplätze sind besetzt! Heute war ich wieder einmal nicht sehr nett und schob die Leute zur Seite, um mich nach hinten zu begeben. Dort war noch viel Stehfläche frei. So, und nun kommt die Stelle, die ich eigentlich erzählen wollte. Da war nämlich noch eine Kindergruppe. Diese war nicht in der Lage, aus eigenem logischen Denken nach hinten durch zu rücken. Erschwert wurde dies durch eine etwa zwölfjährige Tranlampe, die den Verkehr auch noch aufhielt. Erst als sie mehr oder weniger freundlich angeschissen wurde, gefälligst doch noch einige Schritte weiter zu gehen, hatten auch noch die letzten Leute im Bus einen Stehplatz. Nach drei Minuten waren dann also knapp dreißig Personen verfrachtet. Die Fahrt konnte beginnen. Ich sah mir die Kinder an. Da waren einige Wummen dabei, bei denen ich mich frage, ob sie außer Pizza und Cola auch noch andere Lebensmittel kannten. Aber es waren auch Kinder dabei, die ordentliche Körpermaße hatten. Einer von den runderen Gestalten hatte leichte Probleme, bei den Kurvenfahrten Balance zu halten. Prompt kam er ins schleudern und stand mit seinem vollen Gewicht mit beiden Beinen auf meinen beiden Füßen. Der Knabe musste bestimmt an die 80 Kilo auf meine Zehen gestellt haben. Und was passierte? Richtig. Nichts. Daraufhin entschuldigte ich mich lautstark, dass ich meine Füße unter seine gestellt hatte. Er sah mich nur entsetzt an. Meine Fahrt endete am Pirnaischen Platz. Dort standen einige Polizeiwagen herum. Punkt 8:30 Uhr wurden die Ampeln abgeschaltet und die Polizisten gingen auf Handregelung über. Ich kam mir vor wie zu DDR-Zeiten, als ich als Knirps auf dem Schillerplatz stand und den Bewegungen des Volkspolizisten folgte. Zugleich viel mir auch das Lied „Der Volkspolizist“ wieder ein. Was nun aber wiederum interessant an dieser Handregelung war: Der Pirnaische Platz besteht eigentlich aus vier Kreuzungen. Also werden vier Polizisten gebraucht, die den Verkehr regeln. Es ist fantastisch zuzusehen, wie einer das Kommando hat und die Anderen leicht Zeitversetzt die „Befehle“ nachmachen. Mit leichter Verspätung kam ich schließlich auf Arbeit an. Da ich Früh sowieso meist der Erste bin, war dies nicht so schlimm. Auf alle Fälle habe ich mal wieder etwas erlebt. Trackbacks
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