Sunday, January 20. 2008Dinge, die man nicht verstehen muss
Zu DDR-Zeiten war es für das kollektive Wohlergehen ganz wichtig, jedes Wochenende die große Hausordnung (Boden, Keller, Zugang) zu machen: Kehren, wischen und möglichst nochmal mit den Staublappen drüber gehen. Wer die Hausordnung nicht sachgemäß erledigt hatte, wurde vom Hausbuchführer öffentlich getadelt. Gelegentlich gab es dann auch mal die goldene Hausnummer. Aber so genau weiß ich das nicht. Bin ja nicht gerade alt für mein Alter. Zwischendurch kam die Wende. Doch die Hausordnung war nicht entfallen.
Als ich einzog war gleich eines meiner ersten Anliegen: Hausordnung wird für mich gemacht. Dass ich extra darauf hinweisen musste und es nicht als selbstverständlich angesehen wurde, verwunderte mich schon. Bei den alten Mietverträgen (aus DDR-Zeiten) steht noch kein Passus drin, der die Möglichkeit der Treppenreinigung durch Dritte vorsieht. Bei meinem neuen Vertrag schon. Angeblich wäre es auch ein großer Aufwand dies bei den Bestandsmietern zu ändern. Egal, ich bin nicht der Vermieter und zahle meinen Obolus dafür, dass ich nur für meine Wohnung die Reinigung übernehmen muss. Nun bleibt noch die Frage zu klären: Wann wird die Hausordnung gemacht? Für mich in der Woche. Aber die Anderen, die es selbst machen müssen, stellen sich Sonntags dreiviertel eins ins Haus und wischen. Also ich kann mir eine bessere Sonntagsbeschäftigung vorstellen. Aber in Anlehnung an ein altes Gedicht gesprochen: Erst wenn der letzte DDR-Mietvertrag gekündigt, der Sonntag restlich heilig und der Rücken nicht mehr mitmacht, werden die Leute feststellen, dass man auch die Hausordnung machen lassen kann. Trackbacks
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