Vor kurzem hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer Schulfreundin. Sie beklagte sich, dass sie wichtige und interessante Sachen vergessen würde. "Schreib doch ein Tagebuch", schlug ich vor. Das hätte sie sogar schon mal angefangen, aber was solle sie schreiben? So viele große, interessante Dinge würde sie nicht erleben. Und um kleine Dinge zu notieren wäre die Zeit zu schade. Darüber habe ich einige Zeit nachgedacht...
Für mich stellt sich zuerst die Frage: Was ist ein großes Ereignis, und was ist ein kleines?
Nehmen wir mal ein Beispiel. Das obige Gespräch hatte in einer Straßenbahn stattgefunden. Die Bahn hielt an einer Haltestelle und eine junge Mutter mit Kinderwagen und Kleinkind stieg eine Tür weiter vorn ein. Das Kind watschelte nach hinten in Richtung der nächsten Tür. Es machte "Kling klang klong" und die Tür wurde geschlossen. In diesem Moment fängt das Kind an zu rennen - auf die Tür zu. Sofort greifen mehrere Hände nach dem kleinen Matz. Ich erwische ihn an der Kapuze - Rechtzeitig. Vielleicht hätte er es noch geschafft. Nun war aber die Tür zu und der Kleine noch in der Bahn. Auch die Mutter war schnell zur Stelle, bedankte sich und musste ihr Herzchen wieder zur Ruhe bringen.
An und für sich wäre dies kein großer Eintrag in meinem Tagebuch wert. "Ein Kleinkind wollte vor dem schließen der Straßenbahntür rausrennen. Ich packte es rechtzeitig am Schlafittchen." Doch für meine Schulfreundin war ich der Held des Tages. "Du hast einem Kind das Leben gerettet. Wenn es in der Tür eingeklemmt worden wäre! Oder von einem Auto überfahren!" Und für die Mutter war es vielleicht der Schock ihres Lebens.
Und was sagt uns das? Wie groß ein Ereignis ist, hängt von der Sichtweise ab. Was passiert ist, ist wichtig. Wer weiß, wie ich in einigen Wochen über dieses Erlebnis denken werde. Vielleicht habe ich es vergessen? Oder welche Panikattacken ich haben werde, sollte ich jemals Vater werden und diesen Blogeintrag lesen.