Bereits gestern wurde ich von meiner Hausbank (welch blödes Wort) angerufen. Als treuer Kunde wollte sie exklusiv für mich eine besondere Karte anbieten. Gut, sie wollten natürlich wieder mal mein bestes – mein Geld. Heute hatte ich von einem Versandhandel einen Katalog im Briefkasten. Als treuer Kunde kann ich mir bei einer Bestellung eine Prämie aussuchen.
Boar! Was muss man tun, um so viel Exklusivität genießen zu können? Einer Bank muss man Geld geben. Was natürlich bei einem regelmäßigen Einkommen nicht schwer sein sollte. Bei einem Versandhandel muss man natürlich ebenfalls nicht gerade wenig Umsatz machen. Da Weihnachten, Ostern und diverse andere Feste anstanden und man ja auch nebenbei Arbeiten muss, bietet sich eine Online-Bestellung an. Und schwups, ist man vom C-Kunden zum A-Kunden mutiert. Ähnlich war dies bei der Deutschen Bahn. Regelmäßig mit dem Zug pendeln und schon wird man Comfort-Kunde. Aber wehe, wenn man nicht mehr fährt. Dann schwindet der Status von Monat zu Monat.
Was sagt uns dies alles? Geld regiert die Welt. Wer Geld hat, kommt zu Vergünstigungen. Wer keines hat, wird nie in den Genus von Vergünstigungen und Prämien kommen. Dies ist in der Politik, in der Wirtschaft und auch privat so.
Saturday, April 19. 2008
Gestern gab es einen Vortrag zum Thema "Neusprech im Schnüffelstaat", gehalten von Martin Haase. Organisiert wurde die Veranstaltung vom C3D2, also dem CCC in Dresden. Martin Haase nahm dabei einige Aussagen und Reden von Politikern auseinander. Er erklärte zum Beispiel den Unterschied zwischen dem „Wir“, „Wir“ und dem „Wir“. Ja, es gibt drei „Wir“s. Das erste „Wir“ ist die Person die „Wir“ sagt und alle anderen. Ein anderes „Wir“ sind der Sprecher und seine Interessensgruppe. Das letzte „Wir“ sind dann die Anderen, also nicht der Sprecher, sondern eine andere Gruppe, zu der sich aber in diesem Fall der Sprecher zählt. Man muss also aufpassen, von welchem „Wir“ ein Politiker (oder eine andere Person) redet, wenn sie uns etwas schmackhaft macht. Und da sind wir schon beim nächsten Thema. Egal wie schlecht die Nachricht ist, immer positiv formulieren.
Es gab noch mehr solcher interessanten Erkenntnisse, zu denen man sich normalerweiße keinen Kopf macht. Ich hoffe, dass demnächst die Folien online gestellt werden. Allerdings werden diese für Leute, die den Vortrag nicht gehört haben, vermutlich wertlos sein.
Nachtrag: Die Folien sind online. Und wie ich schon geschrieben habe: Ohne Vortrag kann man mit einigen Seiten nichts anfangen.