Dieser Spruch ist zwar nicht ganz falsch, aber warum musste ich dies heute ausprobieren? Wahrscheinlich, weil man ja sonst nichts intelligentes an einem Brückentag zu tun hat. Und genau der ist mir heute etwas auf die Füße gefallen. Dafür habe ich heute die Krone der Medizin ausprobieren können. Aber beginnen wird mal von vorn. (Dieser Bericht ist nichts für Leute, die kein Blut lesen können.)
Brückentag. Verlängertes Wochenende. Und danach zwei Wochen Urlaub. Was man da alles machen kann! Ich habe eine lange Liste erstellt. Heute war erstmal Hausputz angesagt. Bad, Küche, Balkon reinigen, Müll entsorgen, und einige Sachen endlich an die Wand befestigen; wie ein Regal und ein Gerüst für den Balkon. An dieses Gerüst sollen später mal Pflanzen oder Blumentöpfe. Mal sehen. Jedenfalls musste das Gestell entpackt und zusammen geschraubt werden. Da mein Taschenmesser griffbereit war, wurde mit dem Ding auch die Verpackung aufgemacht. Das Gestell besteht aus neun einzelnen Elementen. Diese waren mit Kabelbindern verbunden. So, und anstatt dass der liebe Falk eine Schere nimmt, nimmt er das Taschenmesser. Hebel angesetzt, Kabelbinder war auf und das Messer schnitt sich in den linken Daumen. Sofort fing die rote Körperflüssigkeit an aus der Wunde zu laufen. Fragt mich nicht wie, aber ich schaffte es in mein Bad ohne den Teppich zu versauen. Dort Wasser drüber laufen lassen. Die Wunde subbte. Verbandszeug war in meinem Schlafzimmer. Zum Glück hatte ich einen frischen Waschlappen neben dem Waschbecken. Diesen um die Wunde gelegt, den Verbandskasten geschnappt, mit einem Zellstofftaschentuch die Wunde abgedrückt und mit einer Hand Verband drum gewickelt.
So, und nun ging es los. Was sollte ich machen? Na ja, erstmal meine Mama verständigt, dann meine Großeltern. Diese waren auch schnell zur Stelle (der Enkel war immerhin in Lebensgefahr

). Nach einer Weile schaute ich mir die Wunde an. Das Blut schoss noch immer. Also entschied ich mich, in die Chirurgie zu fahren. Nur, wozu gibt es Ärztehäuser, wenn die Herren Doktoren ebenfalls Brückentag nehmen? Also doch ins Uniklinikum. Und auch dort hatte die chirurgische Notaufnahme – Brückentag. Wenigstens gibt es noch den Kassenärztlichen Notdienst. Ich ahnte nichts gutes. Wenn in ganz Dresden alle Notaufnahmen geschlossen waren ...
Als ich die Anmeldung betrat, fühlte ich mich an Tim Tailor und die amerikanischen Notaufnahmen erinnert. Total überfüllt. Meine Befürchtung ist Realität geworden. Und dann war vor mir noch ein Mütterchen, dass heute Abend keine Medikamente hatte und dringend neue brauchte. Hallo? Keinen Kalender zu Hause? Da steht drin, dass heute Brückentag ist. Und denken kann man doch auch noch. Und für einen Kaffeeklatsch sollte man in ein Cafe gehen und nicht zum Arzt. Ja, da fehlt mir wirklich der Humor.
Nachdem ich meine Krankenkarte und meine 10 Euronen berappt hatte, wurde ich in das Wartebereichchen für die Chirurgie geschickt. Der war gerammelte voll! Kein Wunder, wenn ein Arzt für ganz Dresden die Notfälle bearbeiten muss. Nun stellt sich mir die Frage, ob dies so gewollt ist, ob keiner mitdenkt oder ob einfach kein Geld für mehr Ärzte an solchen Tagen zur Verfügung steht. Sollte letzteres wahr sein, würde ich gerne mal Frau Ulla Schmidt, oder wer dafür verantwortlich ist, einen Notfall wünschen. Aber diese Leute haben vermutlich ihren Privatarzt. Außerdem sollten bei 500.000 Einwohnern jedes Ärztehaus eine Bereitschaft haben. Aber das hätte wieder was mit Organisation zu tun.
Nach 2,5 Stunden kam ich endlich dran. In der Zwischenzeit habe ich mir einige Szenarien ausgemalt. Vom nähen über kleben bis hin, dass die Wunder bereits wieder verheilt ist, wenn ich dran komme. Der Doktor, ein älterer Herr, fragte mich, wie ich das angestellt habe. Dann sagte er zur Schwester „Das selbe wie vorhin“. Aha, also war ich heute nicht der einzige Depp. Der Herr Doktor griff zu einem Fingerschutz und klemmte die Blutversorgung zu meinem Daumen ab. Die Wunde wurde desinfiziert und mit Klebestreifen zusammengeklebt. Wunder der Medizin. Gelegentlich kommt bei der Forschung doch was anständiges raus. Vielleicht schafft es die Pharmazie ja doch noch, anstatt Spritzimpfungen Schluckimpfungen zu entwickeln. Denn wenn eine Wunde nicht mehr genäht werden muss, warum soll man dann noch beim Impfen gestochen werden?
Nach etwa 5 Minuten war ich wieder draußen. Nun sitze ich hier, schreibe mit dick verbundenem Daumen diesen Text und werde in Zukunft immer die Schere nehmen, wenn dies angebracht ist. Denn wozu ist diese erfunden worden? Aber das ist halt das Lehrgeld (Schmutziges Bad, langes Warten und 10 Euro Praxisgebühr), die man gelegentlich zahlen muss. Und währe der Brückentag nicht gewesen, hätte ich nie das Gestell aufbauen wollen. Und ob ich nun meine Urlaubs-Aufgaben-Liste noch abarbeiten kann, ist auch eine Frage.
Na ja, wenigstens ist der Finger noch dran. Daumen hoch!