Sunday, January 8. 2012Arbeit finden in Dresden?
Wie kann ich mir das Wochenende versauen? Ich schlage die erste Seite einer der kostenlosen Wochenendzeitungen auf und lese. Diesmal ging es in der FreitagSZ vom 6.1.2012 um âGuten Aussichten fĂŒr Jobsucherâ in Dresden. Ich möchte hier nicht den Artikel in ein schlechtes Licht rĂŒcken, sondern nur meine Erfahrungen und Meinung dazu schreiben.
In dem Artikel wird beschrieben, dass es in Dresden immer leichter wĂ€re, eine neue Stelle zu finden. Als Beispiel wurde ein Vertriebschef genannt, der 2011 bei einer groĂen Datenbankfirma angefangen hatte. Oder eine Werbeagentur, die beim Unterschreiben eines Ausbildungsvertrages dem Azubi ein iPad2 schenkt. Oder auch das bei der IHK viele offene Lehrstellen gemeldet wurden. Abgesehen davon, dass Lehrstellen keine ArbeitsplĂ€tze fĂŒr ausgebildetes Personal sind: Ja, wer in der Informatik oder in den Medien zu Hause ist hat durchaus in Dresden gute Chancen. Aber wie sieht es mit anderen ArbeitsplĂ€tzen aus? Wer den Artikel genau liest stolpert ĂŒber folgenden Absatz:
Zu den Gewinnern gehören vor allem diejenigen, die einen Job in der Metall- und Elektrobranche suchen. Hier werden vom frisch gebackenen Hochschulabsolventen bis hin zum Spezialisten FachkrĂ€fte gesucht. Und was ist mit den Anderen, die keinen Hochschulabschluss haben oder noch keine Chance hatten sich zu spezialisieren? Der nĂ€chste Satz gibt Auskunft: Aber auch Kraftfahrer oder SaisonkrĂ€fte in der Gastronomie fehlen vielerorts. SaisonkrĂ€ft. Was verdienen SaisonkrĂ€fte? Meiner Erfahrung nach sind das 400-Euro-KrĂ€fte. Vor allem in der Gastronomie. Aber wer noch immer kein MagengeschwĂŒr hat, der sollte den letzten Absatz lesen: Den gröĂten Bedarf haben Zeitarbeitsfirmen, der Handel sowie die Hotel- und Gastronomiebranche. Diese drei Branchen gehören erfahrungsgemÀà nicht zu den gut bezahlten Bereichen (ich meine mit gute Bezahlt âMan kann von der Arbeit lebenâ und nicht âIch will von der Arbeit reich werdenâ). Vor allem gibt es hier auch ein stĂ€ndiges Kommen und Gehen. Werden die Leute nicht mehr gebraucht ⊠und TschĂŒss. Das sind keine festen und zufriedenstellende ArbeitsplĂ€tze. Ja, Zeitarbeit gibt es an jeder Ecke. Aber das ist moderne Sklaverei. Denn Zeitarbeiter werden schlecht Bezahlt, mĂŒssen meistens Nachtschichten schieben und Arbeiten verrichten, die von den wenigen festen Mitarbeitern einer Firma nicht erledigt werden; meistens aus wirtschaftlichen (Facharbeiter sind ĂŒberqualifiziert und werden fĂŒr diese Arbeit nicht bezahlt) oder technischen GrĂŒnden (diese Arbeit kann auch angelerntes Personal ĂŒbernehmen). Wie es im Handel aussieht kann sich jeder zum Beispiel in der Altmarktgalerie ansehen. Dort findet man gefĂŒhlt an jedem zweiten GeschĂ€ft Schilder wie âSuche VerkĂ€ufer/in auf 400-Euro-Basisâ. Wer mal im Internet nach dem Durchschnittseinkommen von VerkĂ€ufern sucht findet eine Zahl um die 1.300 Euro. Das heiĂt ein VerkĂ€ufer mĂŒsste rund vier 400-Euro-Jobs annehmen. Vorausgesetzt jeder Job wĂ€re 20 Stunden pro Woche, mĂŒsste dieser VerkĂ€ufer folglich 80 Stunden die Woche arbeiten um dieses Durchschnittseinkommen zu erhalten. Eine Berufsgruppe wurde im Artikel vergessen: Callcenteragenten. Auch hier gibt es viel Bedarf, weil es auch hier ein stĂ€ndiges Kommen und Gehen gibt. Nur wenige Leute halten es lĂ€ngere Zeit aus, jeden Tag, Stundenlang, auch an Wochenenden und Feiertagen ohne ZuschlĂ€ge, die Kunden im In- und Outbound zu âertragenâ. Aus eigener Erfahrung im Bekanntenkreis weiĂ ich: Es ist schwer in Dresden eine Arbeit zu finden, die keine Saison-, Callcenter- oder Zeitarbeit auĂerhalb der Informatik ist. GlĂŒck auf eine anstĂ€ndige Arbeit haben wirklich die Leute, die in der Informatik oder Werbung/Medien zu Hause sind. Oder der Zufall hilft ein wenig mit. Gerne lasse ich mich auch eines besseren belehren. Wer Firmen in Dresden kennt die bspw. Fremdsprachenkorrespondenten oder Arbeiter in Festanstellung sucht, der kann mir gerne einen Kommentar hinterlassen. Trackbacks
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