Friday, December 22. 2006Für Dienstleistungen ungeeignet
Er ging vor dem großen Regal mit den Jeans in die Hocke und fing an nach der passenden Größe zu suchen. Das war nicht so einfach, weil die Spargelgröße die er brauchte entweder zu selten produziert oder zu oft gekauft wurde. Doch wie sollte er zunehmen, wenn er immer unterwegs war und sein Essen nicht mal die Gelegenheit hatte sich in seinem Körper anzusetzen. Doch er hatte schließlich eine Hose die seinen Körpermaße entsprach in der Hand. Schwarz, schlicht und passend. Da ertönte die zarte Stimme hinter ihm: „Darf ich dir helfen?“
Dir! Wo wird man den geduzt? Natürlich in amerikanischen Hosenläden. Wo denn sonst? Oder in schwedischen Möbelhäusern; und selbst da nur in der Werbung. Die Angestellten sind schon höflich und distanzieren sich mit einem förmlichen Sie.
Seine Antwort war kurz: „Ich habe mein Zeug schon gefunden, danke.“ Er erhob sich und sah eine junge Frau an. Sie schien etwas älter als er zu sein, oder war sie einfach nur neudeutsch gecoacht? Auf alle Fälle lächelte sie freundlich und hielt auch noch die Gardine zur Anprobe auf. „Ich nehme an, du willst sie anprobieren?“ Er betrat die Kabine, die in seinem Augen die kleinste war, die er je betreten hatte. Schon beim ausziehen seiner Jacke schlug er sich den Ellenbogen an der Wand ein. Nach einigen Verrenkungen hatte er die Hose an. Die Frau vor dem Spind schien zu spüren dass er die Hosen an hatte und fragte: „Passt sie dir?“ Dienstbeflissen zog er den Vorhang auf und ließ sich bewundern. Sie nickte freundlich. „Passt hervorragend.“ Ob ihm der dazugehörige Preis passte, fragte sie nicht. Trotzdem entschied er sich für die Hosen. Und jetzt kam der Teil, der ihn etwas ins schlingern brachte: Die Frage „Soll ich dir die Jeans an die Kasse tragen?“ Jetzt fing sein Gehirn zu rattern an. Wenn eine Frau einem Mann die Hosen trug, konnte er schnell als Matcho gelten. Wenn eine Verkäuferin die Hosen trug war es eine Dienstleistung. Wenn er die Hosen trug und sie den nächsten Kunden berät ist es effizient. Also war seine Antwort: „Danke, geht schon.“ Dieses Erlebnis hatte ihm wieder einmal gezeigt, dass er für Einkäufe mit Verkäufern nicht geeignet war. Für ihn galt die Sache als schwierig, wenn er als Kunde der Meinung war „Ich werde mir schon einen Verkäufer ranholen, wenn ich Hilfe brauche.“ und die Verkäufer den Auftrag hatten „Beraten Sie den Kunden, lesen Sie seine Wünsche von den Augen ab.“ usw. Nach der Kasse kam ihm eine andere Idee. Könnte es auch ein Flirtversuch gewesen sein? So richtig glaubte er nicht dran. Aber heutzutage war ja nichts unmöglich, oder anders ausgedrückt: Heutzutage war alles möglich. Aber wenn es so gewesen sein sollte, warum hatte sie nicht gleich und direkt nach der Telefonnummer gefragt? Er stellte sich die Situation vor seinem geistigen Auge bildlich vor: Er schrieb seine Telefonnummer auf ein Stück Papier und sagte: „Aber Vorsicht, ich bin Berufspendler.“, worauf sie antwortete: „Kein Problem, ich kenne viele Leute.“ Trackbacks
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