Wednesday, February 28. 2007Haarspalterei
Wer kennt Tim Toupet? Wer sich jetzt am Hinterkopf kratzt, der liegt nicht ganz falsch. Diese Person singt den wunderbaren und leicht einzuprÀgenden Titel "Du hast die Haare schön, du hast die Haare schön, du hast, du hast, du hast die Haare schön" und so fort. Ehrlich gesagt weià ich nicht, wo der SÀnger herkommt und ich will es auch nicht wissen (Ohren zuhaltend und laut Lala singend). Ich weià nur, das ich dieses Lied in den letzten Wochen bei der Abriss-Schi-Party und zu Fastnacht viel zu oft gehört habe.
Bereits nach der ersten Hörprobe habe ich eine These aufgestellt: "Du hast die Haare schön" ist kein schönes deutsch. Doch in diesem Fall ist das kĂŒnstlerische Freiheit. Ich verweise da gerne auf den Zwiebelfisch und seine Kolumne zu "Marmor, Stein und Eisen bricht". Was mich aber vom Stuhl riss war die bittere Erkenntnis, dass diese Wortgruppe bei manchen Menschen wirklich ein fester Teil des Sprachschatzes ist. Ich habe miterleben mĂŒssen, wie sich ein MĂ€nnchen und ein Weibchen auf der StraĂe trafen. Das ist nichts unnatĂŒrliches, auch das sich zwei vielleicht einige Zeit nicht gesehen hatten. Doch das MĂ€nnchen sagte doch wirklich Wortwörtlich zu ihr: "Du hast die Haare schön". Ich hĂ€tte (und habe vielleicht auch) entgeistert geschaut, das Weibchen aber fĂ€hrt sich geschmeidig durch die Haare und winselt: "Danke".
Vielleicht ist das der Grund, warum ich keine Freundin habe. Ich an ihrer Stelle hĂ€tte ihn in die nĂ€chste Buchhandlung gezehrt und ihm den Duden und die Grammatik auf seine Kosten gekauft. Eventuell wĂ€ren dann solche altmodischen, aber bewehrten SĂ€tze wie "Du siehst gut aus" oder als Steigerung "Du siehst prĂ€chtig aus" herausgekommen. Positiv an den beiden SĂ€tzen ist, dass man sogar den ganzen Menschen meint und nicht nur sein Haar. Wenn aber die Haare das einzige ordentliche sind, zum Beispiel weil gerade ein Auto den Inhalt einer PfĂŒtze gegen die Sonntagsausgehkleidung spritzen musste, dann kann man doch auch den schönen Satz sagen: "Deine Haare sind schön". Die Wortgruppe "Du hast die Haare schön" zeigt aber, in was fĂŒr einer Gesellschaft wir leben. Man muss alles haben, haben, haben. Man kann nicht genug haben. Heutzutage muss man alles ergreifen was es gibt, und wenn es schöne Haare sind. Sonst hat man nichts. Doch selbst dann hat man was. Trackbacks
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