Bis heute dachte ich immer, die Gerichte schützen die Bevölkerung vor Gefahren, indem sie Urteile zu Gunsten der Bevölkerung fällt (z.B. indem sie Verbrecher verurteilen). Diese Meinung hat sich nun geändert, nachdem das Obersächsische Verwaltungsgericht den Bau der Waldschlösschenbrücke (von mir liebevoll Luftschlösschenbrücke genannt) "befohlen" hat. Der Grund ist der vor einigen Jahren stattgefundene Bürgerentscheid, bei dem die Mehrzahl der hingegegangenen Dresdner für die Brücke war.
Wie sah der Bürgerentscheid eigentlich aus? Erstens haben die Brückenbeführworter alles aus den Gräbern geholt, was noch halbwegs einen Stift halten konnte (Entschuldigung für die drastischen Worte, aber es war so), um das Kreuz bei "Ja" zu machen. Zweitens hatten viele noch nicht kapiert, das hinten dran ein Tunnel gebaut wird, der jährlich Unsummen für Nutzung und Wartung verschlingt. Drittens hat zu dieser Zeit auch noch kaum jemand gewusst, das die Elbwiesen zum UNESCO Kulturerbe gehören. Viertens war die Frage so gestellt: Sind sie für eine Brücke? Was ist jetzt an der Frage falsch? Dass ich zwar für eine Brücke wäre, aber nicht in der Art, wie sie vorgeschlagen wurde. Auf dem Stimmzettel war eine Skizze mit der Brücke und der Andeutung des Tunnels. Nur dem ganz Aufmerksamen war dieser aufgefallen.
Interessant ist auch die Wandlung: Erst sollte eine kleine Brücke gebaut werden, mit Gleisen für die Straßenbahn und einer Buslinie. Dann verschwand die Straßenbahn, dann der Bus und schlussendlich wurde die Brücke Teil einer Schnellstraße. (Auch noch interessant zu wissen: Schon vor etwa 65 Jahren sollte die Brücke gebaut werden, und wenn die Wende nicht gekommen wäre, würde bereits eine Brücke stehen! Um 1990 sollte der Bau beginnen.)
Die Leute sind also für den Bau einer Brücke, die keiner wirklich braucht, Unsummen von Geld kostet und bereits gekostet hat (12 Millionen alleine für die Planung!), für höhere Luftverschmutzung sorgt und direkt neben einem Klinikum liegen wird.
Herr Thierse sieht laut
zdf.heute den Ruf Dresdens (und Deutschlands) geschädigt. Nach meinem Rauswurf aus Dresden, den sinnlosen Diskussionen wegen der Luftverschmutzung, den Tumult um unseren Ex-OB und den Verkauf der WOBA an die Amerikaner passt das doch alles hervorragend zusammen. Welchen Ruf will Dresden noch verlieren?